Die Spatzen werden flügge

VON RAINER KAUSSEN - zuletzt aktualisiert: 28.08.2010

Rheinberg (RP) Rheinberger Projekt soll alleinerziehende Mütter auf dem Weg zurück in Erwerbsleben oder Ausbildung unterstützen. Die ersten Teilnehmerinnen machen sich nun auf in die Praxis.

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Wie wichtig es ist, zur beruflichen Entwicklung kreatives Potenzial zu erkennen, wurde gestern bei einer Zwischenbilanz des "Spatzennest"-Projektes verdeutlicht. Es begleitet alleinerziehende Mütter ins Erwerbsleben.
Links: Heidi Drenkers (Projektleiterin Spatzennest IMBSE e.V.), Michael Müller (Stellvertr. Geschäftsführer der ARGE im Kreis Wesel) - Rechts: Dr. Ulrich Rauter (Geschäftsführer IMBSE e.V.) - Foto: Hohl

Die Vitrine im Stadthaus hat schon so manches Steckenpferd präsentiert: vielfältigste Sammlungen, Historisches, Heimatkundliches, Künstlerisches. Die seit gestern dort ausgestellten Arbeiten haben eine besondere Bedeutung: Sie entstanden in einem Projekt, das alleinerziehende Mütter zurück ins Erwerbsleben führen soll und halfen, das Potenzial der Teilnehmerinnen zu entdecken.

Im Frühjahr fing alles an: 25 Frauen begannen, ihren Weg zurück ins Erwerbsleben oder in Ausbildung neu zu planen. Das hatten sie schon lange vor - standen aber immer vor der Hürde, Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit unter einen Hut zu bringen.

Anerkennung erfahren

Die Lösung wurde "Spatzennest" getauft. Ein Projekt, das vom "Institut für Maßnahmen zur Förderung der beruflichen und sozialen Eingliederung" (IMBSE) im Auftrag der ARGE Kreis Wesel in Rheinberg gestartet wurde und das die ARGE auch finanziell förderte. In den ersten Monaten ging es darum, die Talente, die Fähigkeiten der Teilnehmerinnen aus Kamp-Lintfort, Rheinberg, Moers und Neukirchen-Vluyn zu entdecken und so zu fördern, dass der Weg in die Berufswelt frei wurde. Es ging auch um Lernen, aber auch um mehr. Sandra Koller, eine Teilnehmern: "Es war ein tolles Gefühl, Anerkennung zu erfahren. Wertgeschätzt zu werden."

Die Kinder sind begeistert

Diese positive Erfahrung setzte sich bis ins Familienleben durch. Koller: "Meine vier Kinder waren begeistert, dass ich im 'Spatzennest' mitmache." Das vielleicht Beeindruckendste sei die Gewissheit gewesen, das sich Kinderbetreuung und Berufsweg unter einen Hut bringen lassen. Gegebenenfalls dadurch, dass Kinder - etwa in Ferien - mit zum "Spatzennest" gebracht und dort betreut werden können. Und später dadurch, dass die angestrebte Tätigkeit als Altenbetreuerin in Teilzeit angeboten wird.

Die ersten Teilnehmerinnen sind so weit fortgeschritten, dass sie ihren Weg in Ausbildung und Beruf aufnehmen; zehn verlassen das Projekt nun und starten in Ausbildung, Qualifizierung zur Seniorenbetreuerin oder in Berufstätigkeit. Weil das Projekt schon nach zwei Dritteln der vorgesehenen Förderphase eine positive Erfolgsbilanz aufweist, geht Michael Müller, Stellvertr. Geschäftsführer der ARGE im Kreis Wesel, von einer weiteren finanziellen Unterstützung durch sein Haus aus. Was für Interessentinnen, die die freigewordenen Plätze besetzen werden, eine gute Perspektive ist. Und solche Nachrückerinnen sind willkommen. Bürgermeister Hans-Theo Mennicken, IMBSE-Geschäftsführer Dr. Ulrich Rauter und vor allem die Mitarbeiterinnen waren über diese Aussicht höchst erfreut. Schließlich komme der Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Zeichen des heraufziehenden Fachkräftemangels immer größere Bedeutung zu.

INFO: Potenziale entwickelt

Seit März haben die Teilnehmerinnen des "Spatzennest"-Projektes diverse Praxisbausteine durchlaufen:

Es ging um die Bereiche Textil, Ernährung, Gestaltung und Holz; theoretische Inhalte umfassten u.a. Deutsch, Mathematik, Ernährungslehre, PC Grundlagen, Internetanwendung, Bewerbungstraining.

Im Team haben sie - mit fachkundiger Unterstützung durch IMBSE-Mitarbeiterinnen - einander unterstützt, ihre Lebenssituation reflektiert und zum Teil umgestaltet und auch kreative Potenziale weiter entwickelt.

Quelle: RP


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